|
Dem Bekanntheitsgrad nach zu urteilen sind die Sonnenuhren in den Moselweinbergen die weit und breit berühmtesten Exemplare ihrer Art überhaupt. Diese
Lage-Eigenschaften übertragen sich auf die Qualitätsmerkmale derSonnenuhrweine; das heißt, die geographischen Standortbedingungen für die Sonnenuhren im Weinbergsgelände erwiesen sich auch als Lagekunst für die
Rebflächen, die die Uhrenstandorte unmittelbar umgeben: optimale Wärmezufuhr und -speicherung wegen der felsigen Devonschiefer- Verwitterungsböden, der von der Hangneigung abhängenden Einstrahlungswinkel der Sonne, -
Südlage - die wegen der Reflektion der Sonnenstrahlen wichtige Exposition zur Wasseroberfläche und schließlich bezüglich des Kaltlufteinflusses klimatisch günstige mittlere Hanghöhe. Eine jäh abschießende Felswand
unterbricht das Ürziger Rebgelände. Mauerreste lassen den Platz erkennen, wo seit dem II. Jahrhundert die feste Burg Urley stand. Diese Felswand war Schauplatz einer historischen Geschichte, siehe hierzu den Bericht
über den Bischofsmord. Im Jahre 1866 wurde anläßlich der 800-Jahr-Feier vor die Front in eine dafür ausgebrochene Nische die lebensgroße Holzfigur des ermordeten Erzbischofs Kuno I. gestellt, der lange als Heiliger
verehrt wurde. Die Burg bestand nicht nur aus dem an den ausgehöhlten steilen Fels angeklebten Wachtturm. Auf horizontaler Felsschicht ist die etwa 7,5 Meter breite Außenwand mit Böschung gerade hochgeführt; im
verputzten Bruchsteinmauerwerk liegen innerhalb flachbogiger Nischen rechteckige Fensteröffnungen in rotem Sandstein, mit sauberer breiter Schräge und hohem Sturz. Dahinter liegen zwei Wohnräume übereinander, durch
Eintreiben in den Fels 8 bis 10 Quadratmeter groß; der obere war nur durch ein Schlitzfenster von Osten her beleuchtet. Ein drittes Geschoß, mit etwa drei Quadratmeter Nutzraum, ist mit Resten einer Fensterleibung
erhalten. Das Mauerwerk endet dann sehr schmal werdend in Ruinen; oben links wird die Brüstung mit Zinnen angenommen. Am Fuß des Turmes, auf der östlichen Schmalseite, eine mit einer Leiter zu erreichende Tür, mit
Schräge wie an den Fenstern, geschützt von oben durch eine Schießscharte und eine vom dritten Geschoß aus zu bedienende Pechnase, deren Konsolen im Karnies geschweift sind. Am Fuße des Felsens linker Hand eine Nische
mit der kleinen, sehr vom Wetter zerstörten Holzfigur der Mutter Gottes mit dem Kinde. Die Kernlage hieß früher ebenfalls “Sonnenuhr”. Ihr Besitzer mußte den Namen preisgeben, als nach dem Weingesetz von 1971 die Lage
wegen zu geringen Umfangs von dem größeren Würzgarten vereinnahmt wurde. Als Initiator der Sonnenuhridee kommt eines der an der Mittelmosel so reich begüterten Klöster in Frage. Vor der Säkularisierung waren dies
neben dem Kurfürsten und St, Maximin in Trier, Springiersbach, St. Thomas und vor allem Himmerod. Die althimmeroder Kulturen wurden bis zur Klosteraufhebung im Jahre 1802 von eigenen Höfen in Zeltingen und Ürzig
verwaltet. In Zeltingen will man denn auch in Erfahrung gebracht haben, daß der Abt von Kloster Himmerod als erster eine Sonnenuhr in den Weinbergen installierte. Diese Nachricht könnte zutreffen, wenn man sie auf
Ürzig bezieht. In dem Wachtturm bot sich von Anfang an ein geeigneter Standort, denn dessen historische Fassade ist exakt nach Süden ausgerichtet und ein markanter Geländepunkt außerdem. Im Vergleich mit den anderen
Großuhren scheint die Ürziger (aufgrund ihrer Genauigkeit) am ehesten geometrisch konstruiert worden zu sein. Insbesondere aber trägt sie römische Zahlzeichen, während sonst alle zeitgenössische Uhren, außer der
Himmeroder Kugel und der aus Himmerod stammenden Uhr von Spangdahlem, mit arabischen Zahlzeichen ausgestattet sind. |